[BS] Kein Platz für Antizionismus in BS

Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder – Paul Spiegel

Ab dem 7. Juni wird die Ausstellung „Nakba“ (arabisch für Katastrophe), initiiert von der Gruppe „Kunst Macht Politik“ sowie dem Friedenszentrum Braunschweig, in der Brunsviga zu sehen sein. Die Ausstellung will die Flucht der PalästinenserInnen nach und während des Unabhängigkeitskrieges 1949 im Nahen Osten thematisieren. Die Darstellung der Ausstellung ist dabei einseitig, transportiert ein falsches geschichtliches Bild und antizionistische (israelfeindliche) Inhalte.

Die Nakba Ausstellung zeigt ihre antizionistische Ausrichtung an mehreren Punkten. Schon die Geschehnisse rund um den Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen vom 29.11.1947 werden nicht wahrheitsgemäß dargestellt. In dem Beschluss wird die Gründung sowohl eines palästinensischen, als auch eines jüdischen Staates festgehalten. Als Gebiet war damals der fruchtbare Küstenstreifen und die Wüste Negev vorgesehen, die gleichmäßig aufgeteilt werden sollten. Bis zu diesem Zeitpunkt war annähernd die Hälfte dieses Gebietes besitzlos. Der Beschluss wurde von der Jewish Agency Executive (der Regierung des Jischuw*1*) akzeptiert, von arabischen Staaten², der Palästinenserführung und dem Arab Higher Comitee – wie schon in der Ausstellung richtig dargestellt – hingegen abgelehnt. Jedoch fehlen folgende Ereignisse der als Bürgerkrieg titulierten Geschehnisse in der Ausstellung: Kurze Zeit danach wurden unter anderem jüdische Siedlungen attackiert, wichtige Verbindungsstraßen gesperrt, sowie das jüdische Geschäftszentrum in Jerusalem gestürmt. Zweck war die gewaltsame Verhinderung der Gründung des Staates Israel. Allerdings nicht, weil man die prozentuale Aufteilung des Mandatsgebiets als ungerecht empfand, sondern weil es überhaupt keinen jüdischen Staat auf „arabischen“ Boden geben sollte. Doch eben diese Schlussfolgerung, dass ein möglicher palästinensischer Staat allein durch die Kompromisslosigkeit der arabischen Staaten*2* verhindert wurde, zieht die Ausstellung nicht.

Trotz der Angriffe auf jüdische Siedlungen durch arabische Milizen erfolgte am 14.05.1948 die Ausrufung des Staates Israel durch David Ben Gurion. Nur wenige Stunden später erklärten Ägypten, Transjordanien, Syrien, der Libanon, Saudi-Arabien und der Irak Israel den Krieg und griffen an. Den israelischen Streitkräften gelang es jedoch diese Angriffe abzuwehren. Daraufhin, aber auch schon während des vorhergegangenen Bürgerkriegs zwischen jüdischen und arabischen Milizen verließen mehrere hunderttausende palästinensische Araber aufgrund der Kriegshandlung, aus Angst dass Zivilisten verwundet werden können, das Land. Weitere Gründe waren zum Einen Angst vor Rache und zum Anderen der Unwille in jüdischen Gebieten mit JüdInnen als Gleichberechtigte zu leben.

Verschwiegen wird auch, dass es 1948 nicht nur arabische Flüchtlinge sondern auch genauso viele jüdische Flüchtlinge gab. Diese flüchteten allerdings nicht freiwillig, sondern wurden aus den arabischen Staaten, in denen sie lebten, vertrieben.
Desweiteren werden die Verstrickungen maßgeblicher palästinensischer Führer wie z.B. Mohammed Amin al-Husseini*3*, der finanzielle sowie militärische Unterstützung aus Deutschland und Italien erhielt, mit dem NS-Regime verschwiegen.
Ab 1943 war al-Husseini mit der Organisation und Ausbildung von bosnisch-islamischen Wehrmachtseinheiten und Waffen-SS-Divisionen beschäftigt. Die größte davon war die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ (kroatische Nr. 1; 21.065 Mann), die ab Februar 1944 Operationen gegen Partisanen auf dem Balkan vollzog. Zuvor hatte sie zur „Ausbildung“ 1943 bereits in Frankreich gegen die Zivilbevölkerung mit außerordentlichen Gräueltaten gewütet. *4* Die 23. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Kama“ (3793 Mann) erreichte nicht die operative Stärke einer Division und wurde nach fünf Monaten aufgelöst. Weitere Einheiten waren ein Moslem-SS-Selbstverteidigungsregiment im Sandschak, das sogenannte Arabische Freiheitskorps, die Arabische Brigade, die Legion Freies Arabien und ein „Osttürkischer Waffenverband“ der SS. Der Reichsführer-SS Heinrich Himmler ernannte al-Husseini zum SS-Gruppenführer. Er hatte insbesondere die Imame der SS-Truppen auszubilden und zu beaufsichtigen, die für die ideologische Formierung der Kämpfer zuständig waren.

Anti-jüdische Pogrome wie im Jahr 1920/1921, das Massaker von Hebron im Jahr 1929 (das im Zeichen von Kampfrufen wie “das Gesetz Muhammads wird mit dem Schwert durchgesetzt” oder “Palästina ist unser Land und die Juden sind unsere Hunde” stand*5*) oder weitere Pogrome ab 1936 (z.B. 1948 in Kfar Etzion) werden kaum nennenswert erwähnt, vielmehr noch, sie werden als vielleicht unschöne, aber letztlich doch legitime Notwehrmaßnahme des „palästinensisch-arabischer Widerstand“*6* gegen „die zunehmende jüdische Invasion“*6* dargestellt. Stattdessen transportiert die Ausstellung das Bild des „in jeder Beziehung, auch militärisch, ausgezeichnet organisierten und hochmotivierten jüdischen Einwanderers“*6*, der die arabische Gesellschaft aufgrund „bäuerlicher Struktur [..], eines niedrigen Bildungsstands, der breiten Bevölkerungsschichten und Eigeninteressen der einflussreichen Feudalfamilien“*6* unterjochen konnte. Mit dieser Darstellung wird eine Täter-Opfer-Umkehr vollzogen, wie sie für antisemitische Denkmuster typisch ist. Zum Anderen romantisiert das Bild die Feudalherrschaft als naturhafte und setzt sie als Gegensatz zur abstrakten Herrschaft der kapitalistischen Gesellschaft. Diese Romantisierung ist in aller Form zu kritisieren, zeigt sie doch wozu eine vollständige Abkehr der Aufklärung führen kann. Das Unverständnis über die abstrakten Herrschaftsverhältnisse verlangt nach einer Personifizierung dieser und das in Form des Juden. Weiterhin vernachlässigt die Ausstellung damit, dass ein Großteil der jüdischen Einwanderer schlichtweg vor dem deutschen Vernichtungsantisemitismus geflohen ist. Außerdem gab es sogar einige wenige AraberInnen, die den jüdischen Einwandern durchaus positiv gesinnt waren und darin einen möglichen Fortschritt für den Nahen Osten sahen. Doch al-Husseini hetzte weiter und machte aus seinen Ansichten keinen Hehl: „Wir wollen keinen Fortschritt, keinen Wohlstand. Nichts anderes als das Schwert wird das Schicksal dieses Landes entscheiden.“*7* JüdInnen waren dabei allenfalls als „Dhimmis“*8* geduldet.

Diese sind nur einige Punkte, welche die einseitige Darstellung der Geschehnisse zeigen. Durch solch eine Sichtweise und antiisraelische Stimmungsmache werden antizionistische Vorurteile gepflegt und antisemitische Feindbilder bedient.

 

Agitation der Friedensbewegung und „Israelkritiker“


Die Friedensbewegung und ihr Vertreter in Braunschweig, das Friedenszentrum, haben sich auf die Fahne geschrieben sämtliche Ungerechtigkeiten, die sie auf der Welt auszumachen scheinen, anzuprangern. Dieser an sich noble Auftrag scheitert jedoch meist an einer zu kurz greifenden Analyse der Zustände, einem manichäistischem Weltbild und einem (gewollten?) Augenverschließen vor dem ideologischen Inhalt der ausgemachten „Schwachen“ und „Underdogs“. Doch dass dieser Auftrag nicht die alleinige Motivation der selbst ernannten Mutter Theresas sein kann, zeigt sich an der starken Fixierung auf den Nahost-Konflikt und den Umgang damit. Nur zu gern wird da auf die Zustände der PalästinenserInnen im Gaza-Streifen aufmerksam gemacht. Oder Bilder von martialisch wirkenden, israelischen Soldaten, die palästinensische Kinder an der Grenze kontrollieren, verbreitet.

Doch mit der Solidarität ist Schluss, sobald PalästinenserInnen nicht mehr Opfer des „Apartheitsstaates Israel“ (Sigmar Gabriel) sind. Das PalästinenserInnen in Flüchtlingslagern im Libanon, Syrien etc. leben müssen und ihnen sämtliche arabische Staaten (außer Jordanien) die Staatsbürgerschaft verweigern, wird kaum kritisiert. Auch das die arabischen Länder kaum ein Interesse an einem souveränen palästinensischen Staat haben, außer als Verbündeten gegen Israel, ist kein Thema. Es erfolgt kein Aufschrei der Empörung über die von der jordanischen Armee getöteten PalästinenserInnen im sogenannten Schwarzen September 1970. Das in Israel AraberInnen ca. 20% der Bevölkerung ausmachen und sowohl aktives als auch passives Wahlrecht genießen ist meistens keine Erwähnung wert. Niemand der vermeintlichen „Samariter“ würde auch nur auf die Idee kommen für einen möglichen palästinensischen Staat eine gleichberechtigte Stellung für Juden zu fordern. Im Gegenteil es wird einfach davon ausgegangen, dass die arabischen Gebiete „judenrein“ sind, da nur dann ein friedliches Zusammenleben möglich sei. Es wird mit zweierlei Maß gemessen.

Das sich teilweise mit fundamentalistischen Islamisten wie z.B. der Hamas solidarisiert wird*9*, wird damit abgetan, dass deren Hass auf Juden nur durch die momentanen Verhältnisse bedingt seien und ohnehin nicht ernst zu nehmen ist. Hierbei wird die alte antisemitische These aufgewärmt, dass Juden selbst Schuld am Antisemitismus hätten. Dabei macht die 1987 als palästinensischer Arm der Muslimbrüderschaft gegründete Terrororganisation Hamas aus ihren Ansichten keinen Hehl. In ihrer Gründungscharta wird der Djihad als Mittel gegen die „zionistische Invasion“ gepredigt mit dem sich friedliche „Lösungen der Palästinafrage“ nicht vereinen ließen. Auf einen Teil „Palästinas”*10* zu verzichten und Juden zu überlassen, gilt als Verrat an ihrem Glauben. Außerdem berufen sie sich auf eine der grundlegenden, antisemitischen Verschwörungstheorien, die Protokolle der Weisen von Zion.

Doch bei der Solidarisierung mit Judenhassern kann sich die Friedensbewegung der Unterstützung breiter Teile der Gesellschaft sicher sein. Diese „Israelkritik“ ist dabei eines der wenigen Themen, bei der quer durch die Parteienlandschaft hinweg traute Einigkeit besteht. An vorderster Stelle sei dabei auf die Partei „Die Linke“ hingewiesen. Besonders ihr antiimperialistische Flügel fällt regelmäßig durch antizionistische Statements sowie die Teilnahme an antizionistischen Veranstaltungen und Aktionen auf, so z.B. Am 03. März 2011 in Bremen bei einer Boykott-Versammlung vor einem Supermarkt unter dem Motto: „Kaufen Sie keine Früchte aus Israel und den besetzten Gebieten!“. Erwähnenswert ist auch ein Vorfall aus Duisburg, wo Anfang 2011 auf der Internetseite des Kreisverbandes monatelang eine Grafik zu sehen war, auf der ein mit einem Davidstern verwobenes Hakenkreuz abgebildet war. Bei einem anderen Eklat Anfang Juni 2011 in der Bundestagsfraktion verließen gleich mehrere Abgeordnete den Saal, als eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet werden sollte. Und nicht zu vergessen, die Gaza-Flottille und deren erster Versuch 2010 die israelische Blockade zu durchbrechen. Daran beteiligten sich gleich drei Abgeordnete von „Die Linke“ und befanden sich in bester Gesellschaft: Hauptorganisator der Flottille war die islamistische IHH*11*.

Gerade die deutsche Friedensbewegung im Allgemeinen und das Braunschweiger Friedenszentrum im Besonderen berufen sich auf die deutsche Historie und damit die „besondere Verantwortung“ die man zu tragen habe. Doch damit ist nicht etwa gemeint faschistische Tendenzen in der Demokratie in Deutschland oder die ausgebliebene Entnazifizierung aufzuzeigen und zu kritisieren, geschweige denn eine Solidarisierung mit dem Staat der Holocaust-Überlebenden. Stattdessen geriert man sich als Weiser, gereift durch die lehrreiche „Erfahrung Auschwitz“, der überall auf der Welt neue Konzentrationslager aufzeigen will. Die Motivation dahinter ist klar: Auschwitz war eben nicht einzigartig und Teil der spezifisch deutschen Geschichte, sondern kann überall auf der Welt vorkommen. Ganz genau schaut man bei Opfern des deutschen Vernichtungsantisemitismus hin: den Juden. Oder den aus der Shoa resultierenden Staat Israel. Es wird betont, dass doch gerade die Juden den PalästinenserInnen sowas nicht antun können. Dies impliziert zweierlei: erstens, das die Politik Israels gegenüber den PalästinenserInnen ein Verbrechen vergleichbar mit der Shoa ist, verpackt in NS-Vokabular. Zweitens, das Auschwitz so etwas wie eine Besserungsanstalt für Juden war, aus der sie eine Lehre hätten ziehen müssen.

Wenn jedoch eine Lehre aus der deutschen Geschichte gezogen werden muss, dann dass Vernichtungsdrohungen von Antisemiten ernst genommen werden müssen und das mit ihnen eben keine Verhandlungen möglich sind. Und dass JüdInnen diesen Vernichtungsdrohungen allein gegenüberstehen und eben keine Schutzmacht haben.
Oft verweisen Israelkritiker und Antizionisten, mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert, auf jüdische Israelkritiker, die ihre Aussagen teilen, denn die können ja gar nicht antisemitisch sein. In dieser Aussage zeigt sich das fehlende Antisemitismusverständnis der Friedensbewegung. Es handelt sich eben nicht um einen individuellen genetischen Defekt, sondern um ein Ressentiment und eine spezifische Form von Verarbeitung und Deutung gesellschaftlicher Strukturen und ihrer Oberflächenerscheinungen. Und dieses falsche Verständnis lässt sich auch jüdischen „IsraelkritikerInnen“ vorwerfen.*12*

 

Der Jude unter den Staaten


Die deutsche Öffentlichkeit, wie auch die Friedensbewegung zeigt sich geläutert. Man hat seine Lehren aus der Geschichte gezogen und mit Antisemitismus möchte niemand in Berührung kommen. Wie das jüngste Beispiel Günther Grass mit seinem „Gedicht“ „Was gesagt werden muss“ zeigt, sehen sie sich bei ihrer Israelkritik als Tabubrecher. Die, ihrer Meinung nach, durch den Zentralrat der Juden dominierte Öffentlichkeit verhindere jegliche Kritik an Israel, dabei beweisen die Vertreter der Friedensbewegung beinah täglich das Gegenteil. Schnell wird von der viel zitierten „Antisemitismuskeule“ gesprochen. Dieses selbst herbei imaginierte Tabu zeigt, wie das Weltbild der sogenannten Israelkritiker aufgebaut ist. Es wird eine jüdische Lobby herbeisinniert, die ständig die Öffentlichkeit kontrolliert und Politiker unterjocht.
„Der Antisemitismus versetzt Juden in eine ausweglose Situation. Dem reichen Juden wird sein Erfolg angekreidet, der arme als Schnorrer verachtet. Der Assimilant erscheint als heimtückischer Zersetzer des Volkskörpers, der Traditionsbewusste als anpassungsunfähiger Sonderling. Der sexuell Aktive gilt als Verderber und Verführer der Jugend, der Enthaltsame als impotenter Schwächling […]“ (Stephan Grigat).
Ähnlich verhält es sich mit Israel. Das antizionistische Denkmuster ähnelt dem antisemitischen, reproduziert es doch das gleiche Ressentiment. Es ist ein Abstraktes, was sich in der Wandlungsfähigkeit der Vorwürfe zeigt. Israel kann nur falsch handeln. Lässt es die Bombardierungen von den fundamentalistischen, islamististischen Gotteskriegern über sich ergehen, wird dies von eben jenen als Schwäche ausgelegt. Wenn Israel sich zur Wehr setzt, wird Kriegstreiberei vorgeworfen, man reagiere unverhältnismäßig und drehe weiter an der „Gewaltspirale“. Wird eine Mauer gebaut, um den ständigen Selbstmordattentaten entgegen zu wirken, wird Israel mit dem Vorwurf der Konstruktion eines „Ghettos“ konfrontiert. Das die Mauer erwiesenermaßen einen signifikanten Rückgang der Terrorangriffe bewirkt hat, wird dabei außer Acht gelassen. Israel ist der „Jude unter den Staaten“ (Léon Poliakov).

Israel ist aus der Negativität entstanden, aus der Geschichte jahrtausendelanger Verfolgung und Vernichtung. Einen eigenen Staat zu haben bedeutet für die Juden endlich unabhängig von den Bevölkerungsmajoritäten und den Regierungen anderer Länder zu sein, es bedeutet das eigene Schicksal selber in die Hand zu nehmen und endlich Subjekt ihrer eigenen Geschichte zu werden.

Die deutsche Friedensbewegung will die deutsche Geschichte aufgearbeitet haben, sodass sie im Namen der geläuterten deutschen Nation mit dem Zeigefinger auf andere „Ghettos“ oder „Vernichtungskriege“ (Norbert Blüm) zeigen kann. Ihre Solidarität gilt dabei aber nicht den Nachkommen der Opfer der Shoah, sondern ihren vermeintlichen Opfern. Fast könne man meinen, Deutsche haben nur Solidarität mit Juden, wenn sie schon mit Zügen abtransportiert oder verbrannt wurden. Den lebenden Juden allerdings, der aus die Passivität heraustritt und sich dann auch noch mit Gewehr oder gar Panzer der antisemitischen Vernichtungsdrohung entgegen stellt, hasst er mit Leidenschaft.
Denn auch heute sind Juden ständig Vernichtungsdrohungen von Antisemiten ausgesetzt, ob nun von der Hamas, der Hisbollah, jihadistichen Gruppen oder aus dem Iran, die auf die Unterstützung ihrer deutschen FreundInnen immer zählen können.

 

Rückkehrrecht


Am Ende der Ausstellung wird auf die UN-Resolution 194 (III) verwiesen. Diese wurde zwar von den arabischen Staaten abgelehnt, wird aber aktuell häufig von denen angeführt, die auf das Rückkehrrecht der PalästinenserInnen pochen. Im Bezug auf eben dieses Rückkehrrecht ist sie aber äußerst schwammig formuliert. Es wird festgestellt, den Flüchtlingen „sollte erlaubt werden“, zum „frühest möglichen Termin“ in ihre „Heimat“ zurückzukehren und das diese Empfehlung sich nur auf jene bezieht, die „es wünschen, (…) in Frieden mit ihren Nachbarn zusammen zu leben“*13*. Bei näherer Betrachtung dieses, die historischen und aktuellen Umstände ausblendenden, Rückkehrrechts tut sich ein Problem auf, welches nicht beantwortet wird. Die in der Ausstellung aufgeführten Zahlen von 4,4 Mio. registrierten palästinensischen Flüchtlingen (also auch die Nachkommen der damaligen Flüchtlinge) und den lediglich 7,7 Mio. israelischen Staatsbürgern (Stand 2011, davon 76,7% JüdInnen) offenbart, dass eine jüdische Bevölkerungsmehrheit bei einer Rückkehr nicht mehr garantiert wäre. Ganz abgesehen von der widerlich mitschwingenden „Blut und Boden“-Ideologie, stellt sich die konkrete Frage was diese Folge in Bezug auf die Schutzfunktion des Staates Israel gegenüber einem Vernichtungsantisemitismus bedeuten würde?


So spekulativ die Antwort auch sein mag, es muss immer bedacht werden: Ausschwitz war der Rückfall in die Barbarei und die Bedrohung einer Wiederholung dessen besteht solange fort, solange die gesellschaftlichen Ursachen für Antisemitismus nicht abgeschafft werden. Der israelische Staat, mit Militär und einer jüdischen Mehrheit ist, zumindest aktuell, der einzige Ort des Schutzes vor eben diesem Vernichtungsantisemitismus. Deswegen kann eine Kritik am Zionismus nur sein, dass dieser überhaupt eine Notwendigkeit hat.

 

Kein Platz für Antisemitismus, Antizionismus und Rassismus in Braunschweig. Kommt am 7.6.12. zur Kundgebung gegen die Nakba-Ausstellung ab 17 Uhr zur Brunsviga!

 

Davor am 31.5. die Veranstaltung "KP Palästina und die Komintern in den 192er Jahren" mit Referent Olfas Kistenmacher ab 19 Uhr im Nexus. Check: agb.blogsport.de

 

Anmerkungen:
1 jüdische Bevölkerung in Palästina vor der Staatsgründung Israels.
2 Afghanistan, Ägypten, Iran, Irak, Jemen, Libanon, Pakistan, Saudi-Arabien, Syrien und die Türkei.
3 1921 durch brit. Verwaltung zum Großmufti von Jerusalem ernannt.
4 Lorenz Maroldt: Der Mufti von 1000 Jahren. In: Der Tagesspiegel. 27. August 2009.
5 Shapira, A. 1992. Land and power. New York & Oxford: Oxford University Press, (S .174); oder selbst in Berichten von Antizionisten wie Nathan Weinstock.
6 Zitate: „Nakba“-Ausstellung.
7 http://www.palestinefacts.org/pf_mandate_grand_mufti.php.
8 Nicht-Muslim unter Sharia (islamisches Rechtssystem), haben weniger Rechte: mussten Muslimen stets den Vortritt lassen, durften nicht auf Pferden sondern nur auf Eseln reiten, Aussage vor Gericht zählte weniger, keine höheren Häuser als Muslime, keine neuen Gebetsstätten errichten, unauffällig beten, männliche Dhimmis durften keine muslimischen Frauen berühren, heiraten, Muslime durfte hingegen jüdische oder christl. Frauen heiraten, durften sich nicht gegen körperliche Angriffe wehren, keine Waffen tragen und eine jährliche Kopfsteuer (Dschizya; unter Umständen auch noch eine weitere Sondersteuer, Kharaj) zahlen sonst Leben verwirkt.
9 Diether Dehm, Mitglied der Partei “Die Linke”: „Und auch mit der Hamas muss man sich solidarisieren können“
10 Vor der Gründung Israels existierte keine palästinensische Nationalbewegung. Palästina war lediglich durch brit. Mandatsmacht verwaltet und Teil von Transjordanien.
11 Deutsche IHH wurde 2010 verboten, da sie „unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe bewusst und gezielt Organisationen unterstützt, die der Hamas zuzurechnen sind oder die ihrerseits die Hamas unterstützen“, gleicher Ursprung wie türkische IHH in der Millî Görüş-Bewegung.
12 Z.B. Norman Finkelstein, Abraham Melzer, Evelyn Hecht-Galinski, Uri Avnery usw.
13 Resolves that the refugees wishing to return to their homes and live at peace with their neighbours should be permitted to do so at the earliest practicable date, and that compensation should be paid for the property of those choosing not to return and for loss of or damage to property which, under principles of international law or in equity, should be made good by the Governments or authorities responsible; UN-RESOLUTION 194 (III).

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Das es sowas noch gibt: Hab lange nicht mehr einen derartiges Pamphlet gelesen. Nun ist die Nakba-Ausstellung sicher eine streitbare Angelegenheit. Aber der Text und die "Kritik" ist einfach nur verbohrter antideutscher Quatsch. So unseriös und verfälschend suggestiv mit Inhalten umzugehen ist schon ziemlich daneben. Wenn das eigene Argument schwach ist, scheint man sich die Welt zurecht zu basteln bis sie passt.  Zum Glück sterben die Gruppe aus, die gesellschaftliche Verhältnisse dermaßen in Schwarz/Weiß sehen. Antideutsche Glaubenssätze werden nicht dadurch richtiger, dass man sie ständig wiederholt. Und ein Text wird auch nicht besser, wenn man ihn mit Wolfgang Pohrts Polemik zur Friedensbewegung anreichert - so treffend und unterhaltsam die an manchen Stellen auch ist. Ich hoffe sehr, dass die Verfasser_innen noch ziemlich jung sind (was ich vermute) und nochmal zur Besinnung kommen. Am besten bevor sie bei der Jungen Union landen...

Ich würde sagen, dass die umstrittene Nakba-Ausstellung eine schwarz-weiße Welt zeichnet. Dort ist ein eindeutiges Rollenbild sichtbar, welches klar macht, dass schon zu Israels Gründungszeiten allein die Israelis die Bösen waren. Dagegen ist dieser Text ja ein Versuch, diese Ausstellung zu entwaffnen und ein Gegenbild zu zeichnen. Der soll ja wohl keinen Alleinerklärungsansatz für alle Geschehnisse damals liefern, sondern eher die Einseittigkeit der Ausstellung korrigieren. Da muss man ann auch nich weiter über Palästinenser*innen schreiben, denn diese brauchen keine Richtigstellung, da sie in er Ausstellung sehr gut wegkommen.

Dann sage uns doch endlich mal bitte wieso das alles Quatsch sein, aber bitte inhatlich. Ich hör von den sauschlauen Leuten hier die die goldene Mitte zwischen "Anti-D" und "Anti-Imp" suchen immer nur sagen: "Dass ist Antideutsch, das ist Quatsch, ihr habt solche und solche Glaubenssätze, Ihr seid doch eh Konservative". Aber nie kann auch nur irgendjemand eine inhaltliche Kritik liefern, immer nur "...rassistisch, sexistisch, kriegstreiberisch, wasauchimmer". Ich möchte bitte ein mal eine inhaltliche Kritik von "antideutschen Position" sehen. Gibts leider nicht, da die meisten Leuten hier die Sachen nicht verstehen oder sich insgeheim eingestehen müssen dass die Kritik genau den offenen Nerv ihres Weltbildes trifft. Also bitte, weniger "ist antideutsch, werdet erwachsen, ihr seid plöd", sondern bitte eine vernüftigte inhaltliche Kritik. Die wird meines erachtens aber nie kommen...

Ausführliche Kritik und Analyse von Antideutschem Gedankengut gibt es wie Sand am Meer.

Hier ein sehr objektiver Artikel: http://syndikalismus.wordpress.com/2010/12/08/die-parole-%E2%80%9Asolida...

danke für diese inhaltliche kritik, auch wenn da sder länge des textes nich tangemessen ist würd eich zumindestens in bezug auf den text der agb kurz auf den letzten satz verweisen wollen " Deswegen kann eine Kritik am Zionismus nur sein, dass dieser überhaupt eine Notwendigkeit hat." da wird schon ganz gut klargestellt dass es nicht um eine positiv gemeinte verklärung "der juden" oder des staates israel geht.

"Deswegen kann eine Kritik am Antizionismus nur sein, dass dieser überhaupt eine Notwendigkeit hat."

merkste selber oder?

wer in einem text allen ernstes von "freiwillig geflüchteten" personen (in dem fall palästinenser_innen) schreibt, der hat offensichtlich nicht mehr alle tassen im schrank. es gehört zum wesen einer flucht, dass sie erzwungen ist - freiwillige wanderungsbewegungen werden als "migration" bezeichnet.

 

aber die intention der autor_innen ist natürlich klar: dort die palästinenser_innen, die mehr oder weniger freiwillig gingen und sich damit ihre vertreibung gewissermaßen selber zuzuschreiben haben - auf der anderen seite die jüdinnen und juden in den arabischen ländern, die von den dortigen regimes verfolgt und aus dem land gejagt wurden, womit quasi die notwendigkeit der existenz israels erneut bestätigt wird.

 

btw: rassismus, sexismus und bellizismus sind "inhaltliche kritik". dass antideutsche neocons das nicht so wahrnehmen, ist deren problem, nicht das der kritiker_innen.

Rassismus, Sexismus und Bellizismus sind schlagwörter, die es mit Inhalt zu füllen gilt.

Wenn man Unterstellungen macht, dann sollte man sie auch BEgründen. DA fängt dann die inhaltliche Kritik an.

 

Dass die Stammtischparolen-drescher aus den K-Gruppen daran kein Interesse haben ist klar. Sie würden sich ja selbst als Rassisten, Sexisten und Bellizisten outen.

Hier hast du 'ne inhaltliche, ausführliche Kritik am antideutschen Wahnisnn: http://www.marxistische-aktion.de/wp-content/uploads/Info-Broschuere-Goo...

Auch wenn ihr sehr stolz seid mal ne Broschüre auf die Beine bekommen zu haben: Die wird nicht gut nur weil ihr sie überall postet.

...ist in dieser Broschüre weder eine inhaltliche noch eine ausführliche Kritik an Antideutschen zu finden.

 

MAT? Setzen 6!

Wenn man den kapitalistischen Wald vor lauter antisemitischen Bäumen nicht mehr sieht und aus der eigenen Paranoia eine politische Theorie strickt, kommt ein solcher Text dabei heraus. Hört endlich auf die Opfer des Holocaust für eure Zwecke zu instrumentalisieren und die Geschichte so zu frisieren, bis sie eurem eigenen Weltbild angepasst ist.

Hier ein älterer Text, der auch heut noch Licht ins antideutsche Dunkel bringt.

http://www.gegeninformationsbuero.de/frameset.html?/antidoitsch/antidoitsch.html

Bis jetzt haben die Kommentatoren ja stichhaltige Argumente gegen den Text vorgebracht.

 

Das ist ja Antideutsch.

 

Und..... Nein, mehr war da ja garnicht.

 

So macht diskutieren spaß.

Informativer und gut geschriebener Text.

Und an die antiimperialistischen Pöbler_innen: Könnt ihr an dem Text noch etwas anderes kritisieren, außer dass er wahrscheinlich aus der antideutsch-kommunistischen Ecke kommt?

Kein Platz für Rassismus, Kriegstreiberei und Geschichtsrevionismus sowie die Instrumentalisierung des Holocausts in Braunschweig! Kommt am 7.6.12. nach BS und blockiert die Kundgebung gegen die Nakba-Ausstellung ab 17 Uhr zur Brunsviga!!

kannst du mir bitte kurz erklären was an diesem aufruf

 

1. rassistisch

 

2. kriegstreiberisch

 

3. geschichtsrevsionistisch ist und

 

4. wo eine instrumentalisierung der shoa stattfindet?

....waren schonmal wirklich da unten in Israel bzw. in den Palästinensergebieten? Dann scheisst mal weiter aus der Ferne klug, was richtig und was falsch ist....

 

Sendungsbewusstsein auf links.....

aha wenn ich also jetzt nen all-inklusiv urlaub in israel oder den autonomie gebieten buchen würde, hätte ich also demnach voll den durchblick in bezug auf die staatsgründung israels oder was? hier wird sich doch gar nicht auf den aktuellen konflikt bezogen und gesgat was richtig und was falsch ist, es geht um die gründung israels und die darstellung durch die nakba austellung...

Warst du schon schon 1945 geboren? Nein? Dann scheiss mal weiter aus der Gegenwart in die Vergangenheit klug, was richtig und was falsch war an der Staatsgründung Israel. Wer also nicht dabei war soll auch keine Meinung zu einem Thema haben. Außerdem glaub ich kaum dass du außerhalb deines autonomen Szeneghettos irgendeine Ahnung von der Gesellschaft hast.

so wenig Hirn, zu denken dass Sauftourismus dazu führt, Land und Leute kennenzulernen, muss man erstmal haben, Respekt! Nein, wenn ich von etwas gehörig die Schnauze voll habe, dann ist es die typisch deutsche Eigenschaft, von hier aus dem Rest der Welt vorschreiben zu wollen, wie er sich zu verhalten hat...seid IHR Opfer des Holocausts gewesen? Leider nein, fällt EUCH eine Bombe aufs Haus und bringt eure Familie um? Nein! Aber über die Leute, die davon betroffen waren/sind urteilt ihr als seid ihr der Papst.

Wisst ihr, dass die Palästinensergebiete israelischen und internationalen Rüstungskonzernen als Testgelände für Waffen- und Crowd-Control-Systeme dienen? Sprich für das Zeug, was später an Russland oder an europäische Polizeien verkauft wird uns letztendlich uns hier um die Ohren fliegt? Ihr verteidigt hier einen Staat der Milliarden mit Waffenexporten verdient, für die er seine heimischen Zustände dringend braucht, sprich nicht an Frieden interessiert ist.

Glaubt ihr, durch den Holocaust macht die kapitalistische Verwertungslogik nun vor Israel halt? Wäre von euch jemand zu Bloccupy gekommen, wenn Joseph Ackermann zufällig israelischer Staatsbürger wäre?

Ich bin durchaus der Meinung, dass Einwohner des Staates Israel im moment ein sichereres Leben führen, als ein Moslem in der EU, und die Existenz von Maulhelden wie der Hamas und Ahmadinedschad rechtfertigt es noch lange nicht, diese oder alle Iraner und Palästinenser zu zerstückeln, wie ihr es gerne tun würdet und die Mehrheit der Israelis wäre mit einem anderen Staat, der ihr internationales Image nicht in den Dreck zieht, eindeutig besser dran als mit dieser kapitalistischen Kriegstreibernation, die ihr versucht zu rechtfertigen, nur weil sie den Davidstern auf der Flagge hat!

Hat je ein_e Antideutsche_r behauptet, in Israel würde der Kommunismus herrschen? Ist mir nie untergekommen. Denn es geht nicht darum, Israel als das antagonismenfreie Paradies hinzustellen, sondern sich die überaus eigenartige Fixierung auf den Zwergstaat Israel zu erklären. Warum wird Israel vorgeworfen, dass es Gewalt anwendet, seine Grenzen verteidigt, seine Interessen vertritt? Jeder Staat der Welt tut dies. Aber keiner - die USA möglicherweise ausgenommen, jedoch haben sie ein weltpolitisch ungleich höheres Gewicht - wird derart mit Anfeindungen überzogen wie Israel, das im Vergleich mit anderen Staaten noch relativ moderat ist. In Israel dürfen Frauen autofahren, Homosexuelle dürfen leben und es herrschen parlamentarische Verhältnisse. In vielen Staaten in Israels Nachbarschaft ist dies nicht der Fall.

Warum fordern also Aktivist_innen zwar einen Boykott für israelische Waren, aber nicht für Waren aus dem Iran, obwohl dort Menschen wegen ihrer Homosexualität an Baukränen aufgehängt werden?

Warum scheren sich die Antizionist_innen einen Dreck um Palästinenser_innen, sobald diese keine Opfer Israels, sondern von anderen Staaten werden?

Es muss also irgendetwas besonderes an diesem Staat Israel sein, dass die Herzen so vieler Menschen mit Hass erfüllt, nicht etwas, was Israel tut, sondern was es ist.

Nämlich der Staat der Juden, als Schutzraum alles Jüdinnen und Juden vor dem Antisemitsmus.

Und das scheint vielen Menschen ein Dorn im Auge zu sein.

Denn anders lässt sich der fast schon pathologische Hass auf Israel nicht erklären, wenn nicht als uneingestandener, am Ersatzobjeckt sich abarbeitender Antisemistismus.

 

Übrigens: Jede_r Linksradikale_r, die_der noch einigermaßen vernünftig ist, hat sich an Blockupy nur wegen der massiven Repression und der himmelschreienden Unfähigkeit der Organisator_innen, für Infrastruktur zu sorgen, beteiligt.

 

Die Hamas und Ahmadinejad Maulhelden? Du solltest dich alles glauben, was der ehemalige SS-ler Grass so von sich gibt. Die Hamas setzt doch ihre Kritik am jüdischen Staat doch tagtäglich in die Praxis um - oft mit durchaus tödlichen Folgen. Ob und wie Ahmadinejad Atomwaffen gegen Israel einsetzen würde, ist spekulativ, dass der antisemitische Holocaustleugner an einer Gefährdung Israels interessiert ist, zeigt schon die iranische Unterstützung von islamistischen Terrorbanden gegen Israel.

Findest du es nicht arg lächerlich und bis zum höchsten Grade idealistisch, einem Staat vorzuwerfen er sei eine "kapitalistische Kriegstreibernation"? Das ist linksreformistisches Moral-Kindergarten-Geseiere, wie mensch es von Pfaffen, Polithippies und ähnlichen Trotteln kennt, aber keine materialistische Kritik von kapitalistischen Verhältnissen.

Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte: Die kapitalistische Produktionsweise ist die vorherrschende Produktionsweise weltweit, ist also nicht nur auf Israel beschränkt. Und dass das Wirtschaften auf diese Art nicht gewaltfrei abläuft, ist augenfällig

Einem Staat also seine Gewalt vorzuwerfen, ist als würdest du einer Ware ihren Tauschwert oder einem Lebewesen seine Möglichkeit, Stoffwechsel zu betreiben, vorwerfen. Wenn du aber was gegen Gewalt und Herrschaft hast - ich unterstelle dir einfach mal diese gute Absicht - musst du so konsequent sein, die kapitalistische Produktionsweise mitsamt ihrem dazugehörigen staatlichen Gewaltapparat abschaffen zu wollen - und das global.

Von Israel zu verlangen gewaltfrei zu sein, ist jedoch dümmlicher Unsinn.

Wie du darauf kommst, jemensch fordere die Zerstückelung der iranischen oder palästinensischen Bevölkerung oder wolle dies insgeheim, wird wohl dein Geheimnis bleiben.

 

Die Kritik des Antizionismus bleibt wohl leider immer noch bittere Notwendigkeit.

 Der emphatische Hass, der Diaspora-, aber auch israelischen Juden, die sich für einen gerechten Frieden im Nahen Osten engagieren, von deutschen und „antideutschen“ Neocons entgegenschlägt, legt davon ein beredtes Zeugnis ab. Die jüdisch-israelischen Kommunisten hätten „Aufklärungsverrat“ begangen, wetterte unlängst Stephan Grigat*, einer ihrer führenden Ideologen. Friedensbewegte Shoah-Überlebende aus Israel wurden vor einigen Jahren in Köln von jungen „Antideutschen“ – die mittlerweile vermehrt unter dem Label „Antinationale“ auftreten – als „Nazi-Schweine“ beschimpft. Diese Kreise greifen auch Sie auf den einschlägigen Internetseiten meist anonym als „jüdischen Antisemiten“ oder „Alibi-Juden“ an. Interessanterweise werden Sie von diesen „Antisemitismuskritikern“ selten als Historiker oder Marxist angegangen, sondern fast immer als Jude – bevorzugt als sogenannter selbsthassender Jude. Alle Juden, die es nicht mit Israels Kriegs- und Besatzungspolitik halten und nicht die von Deutschen festgesetzten Kriterien fürs Richtiger-Jude-Sein erfüllen, sind Wiedergänger Otto Weiningers*? Ist da Antisemitismuskritik nicht längst in blanken Antisemitismus zurückgefallen? Und gibt es in Israel ähnliche Entgleisungen zu beobachten? 

M. Z.: In meinem Buch versuche ich ja darzulegen, dass die philosemitische „Solidarität“ mit Israel samt der damit einhergehenden Attacken auf jüdische Kritiker der israelischen Politik und der unverhohlene klassische Antisemitismus auf dem gleichen antijüdischen Ressentiment beruhen. Ja, für mich sind das besonders raffiniert verkappte Antisemiten, genau die Typen, die unter gewendeten Umständen und anderen historischen Konstellationen zu gestandenen Judenverfolgern wurden – oder noch werden könnten. Bedenken Sie nur, wie ehemalige Antizionisten und Israelhasser sich, als es opportun geworden war, gewendet haben und sich heute als große Anhänger Israels und des Zionismus gerieren. Aber das wundert auch nicht allzu sehr – das ist „gute“ alte deutsche Tradition: Die Deutschen wussten immer schon am besten, wie der Jude zu sein hat und was an ihm nicht akzeptabel ist, sie wussten ihm immer schon die Bedingungen zu stellen, wie er sich zu verändern hat, damit er von ihnen aufgenommen werden kann. Und zwischendurch wussten sie auch, warum er auf keinen Fall aufgenommen werden kann und vernichtet werden muss. Da zieht sich eine lange Reihe von Richard Wagner bis zu den heutigen Hassern von Juden, die sich mit Israel kritisch auseinandersetzen. Na ja, und das mit dem sich selbst hassenden Juden – diese Masche kennt man ja lange: In Israel wird dieses „Argument“, wenn überhaupt, von Rechtsradikalen aus der Ecke der Siedlerbewegung und der rechten Nationalreligiösen verwendet. Und genau in dieses politische Milieu gehören meines Erachtens auch diese deutschen „Linken“ und „antideutschen“ Neokonservativen. Wie man mich dabei von dieser Seite persönlich apostrophiert, interessiert mich herzlich wenig. Was habe ich mit diesen Typen zu schaffen? Ich bin doch ein Linker. Über das allgemeine Niveau dieser Leute möchte ich mich lieber nicht äußern. Allein die Tatsache, dass sie zwischen Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik offenbar nicht zu unterscheiden vermögen, lässt mich vor der Substanz ihrer intellektuellen Verrenkungen nicht gerade vor Ehrfurcht erschaudern.

Das übliche Palaver: Wer nix zu erwidern hat, der schreit: "Antideutsch! Reaktionär! Werdet erwachsen!". Das ist so dumm und banal. Vor allem ist es: undialektisch. Dialektisch denken heißt auch, Kritik als Kritik ernst zu nehmen, sie zu reflektieren und dann Schlüsse daraus zu ziehen. Was ja nicht heißen muss, dass alles, was da steht, richtig ist. Aber ganz sicher ist auch nicht alles, wa da steht falsch. Wer aber nur "antideutsch" krakeelt und damit die Sache für erledigt hält, ist: Dumm. Wenn das links ist - gute Nacht. Der Begriff antideutsch ist völlig untauglich in der hoffnungslos überdeterminierten Form, in der er von denen gebraucht wird, die ihn vorgeblich zur Erledigung von Kritik im Viereck pöbeln. Reflexion sieht anders aus und blieb bei allen bisherigen Kommentaren hier vollkommen außen vor. So denn: Ich wünsche viel Spaß bei dieser Farce, die sich Diskussion schimpft aber offenbar von keinerlei kritischem Interesse geleitet wird. Kritisiert man "Antideutsche", was wir alle immer wieder tun müssen, genau so, wie wir alle und jede Begriffsfixierung immer wieder kritisieren müssen (das nennt sich Dialektik); insbesondere dann, wenn ihr eigentlicher Gehalt in identitären Zuschreibungen zum bloßen Sammelbecken für abgelehnte Positionen wird - ja, kritisiert man also Antideutsche, so gibt es gemeinhin immerhin eine Antwort, die inhaltlich wohl zu argumentieren weiß und die für wahr gehaltene Position unter Loslösung von allen Glaubenssätzen zu rechtfertigen versucht - in wie weit das gelingt oder nicht hängt dann vom konkreten Inhalt ab. Leider aber ist selten jemand in der Lage, eine solche Kritik zu formulieren, woraufhin dann lieber gepöbelt wird gegen die Kritiker, die immer alles negativ sehen und eh zu selten auf der Straße sind, wo sich schnell eine gefährliche Nähe zur Theoriefeindlichkeit auftut.

Addendum: Zur Untauglichkeit der antiantideutschen Pöbelei. Wertmüllers Polemik gegen alles, was sich links oder autonom nennt, als das zu bezeichnen, was es ist, nämlich die Selbstaufgabe von Praxis und, schwerwiegender, Jugendarbeit im Angesicht der Beschissenheit der Dinge, ja: Wertmüller also reaktionär zu nennen ist überhaupt kein Widerspruch dazu, den obigen Text als für richtig und wichtig zu propagieren und gegen die Kritiklosigkeit einer Linken, die sich in den dummen Kommentaren artikuliert, als größtes Hindernis zu einer emanzipierten Auseinandersetzung immer wieder anzukämpfen. Das hat nichts damit zu tun, eine angebliche "tolerante" Mittelposition zwischen vermeintlichen Kollektiven einzunehmen, sondern immer da, wo nötig, Kritik zu artikulieren, und diese aber nicht auf die Ablehnung bestimmter Zuschreibungen, sondern auf den Kern der Sache, um die es da geht, einzuschießen.

"Oft verweisen Israelkritiker und Antizionisten, mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert, auf jüdische Israelkritiker, die ihre Aussagen teilen, denn die können ja gar nicht antisemitisch sein. In dieser Aussage zeigt sich das fehlende Antisemitismusverständnis der Friedensbewegung. Es handelt sich eben nicht um einen individuellen genetischen Defekt, sondern um ein Ressentiment und eine spezifische Form von Verarbeitung und Deutung gesellschaftlicher Strukturen und ihrer Oberflächenerscheinungen. Und dieses falsche Verständnis lässt sich auch jüdischen „IsraelkritikerInnen“ vorwerfen.*12*"


Natürlich, jeder kritisch denkende Israeli wir als unter "jüdischem Selbsthass" leidender Antisemit denunziert, junge Israelis die den Wehrdienst verweigen werden als Verräter am eigenen Land bezeichnet.

Darauf haben die in Israel lebenden Menschen nur gewartet, von philosemitischen Täterenkeln, denen keine Konstruktion zu dämlich ist um den eigenen Wahn zu erklären, eine Lektion in Sachen "wer ein richtiger Jude ist bestimmen wir" zu bekommen.

wo wird den jeder kritisch denkende Israeli als antisemit bezeichnet?

es ging um das aufzeigen das antisemitismus als ideologie auch durch israelis oder allg. menschen mit jüdischen glauben "ausgeübt" werden kann. genauso wie ein türkischer migrant rassist & nationalist sein kann (stichwort kurdistan), ein iraner sexist, kann ein israeli auch antisemit sein. ideologien sind leider etwas kompliziert und es gibt niemanden der sich davon ausnehmen kann.

ich frage mich warum hier auch noch das beispiel mit dem wehrdienst verweigern eingebracht wird, wird dies im text der agb behauptet? bitte um aufklärung.

 

und wer der richtige jude ist bestimmt im zweifel der antisemit, deswegen ist eine kritik am antisemitismus auch so wichtig um  einw enig licht ins dunkle zu bringen ;)