Bilder & Bericht 17.06. Stuttgart

Demo zum Bildungsstreik am 17. Juni 2009 in Stuttgart

Auch in Stuttgart gab es am 17. Juni eine Großdemo im Rahmen des Bildungsstreiks. Es haben sich nicht nur viele SchülerInnen und Studierende, sondern auch Leute aus den Gewerkschaften und weitere UnterstützerInnen beteiligt. Die Demo war groß, bunt und über weite Strecken recht kämpferisch. Als kleine Nebenaspekte wurden Parolen gesprüht, Farbbeutel geworfen, ein Polizeiauto attackiert und Luftballons steigen gelassen. Die Proteste gingen und gehen natürlich auch nach der Demo weiter...

In Stuttgart beteiligten sich an der Großdemonstration im Rahmen des Bildungsstreiks etwa 20 000 Menschen. Sie war damit nach Berlin die zweitgrößte in der BRD. Es beteiligten sich nicht nur SchülerInnen, Studierende, Auszubildende und Lehrkräfte, sondern auch sich ebenfalls im Streik befindende ErzieherInnen und UnterstützerInnen der Proteste. Im Mittelpunkt der Forderungen der Demonstration standen die Abschaffung von Studiengebühren, des G8-Abiturs und des dreigliedrigen Schulsystems, stattdessen wurden mehr Mitbestimmung und ein soziales Bildungssystem mit gleichen Chancen für alle gefordert. Die aktuelle Diskussion um die Abschaffung der geisteswissenschaftlichen Studiengänge an der Universität Stuttgart wurde ebenfalls thematisiert, ebenso die Situation von Auszubildenden.

Im Vorfeld der Demo gab es in verschiedenen Stadtteilen kleinere Demozüge, die vor Schulen zogen, dort die SchülerInnen aufforderten sich anzuschließen und Vielen so die Beteiligung am Streik erleichterten. Die Demo durch die Innenstadt war schließlich unüberschaubar groß, bunt und über weite Strecken kämpferisch. Für Stimmung hat unter anderem eine Durchsage des Moderators im Auftrag der Polizei gesorgt, dass das Werfen von Farbbeuteln auf Bankgebäude bitte unterlassen werden soll... Am Rande der Demo gab es auch kleinere Sprühereien und Steinwürfe auf ein Polizeifahrzeug. Die Polizei ging, ganz im Gegensatz zu Demonstrationen bei denen sie sich in der Lage sieht die Beteiligten anzugreifen, nicht gegen DemoteilnehmerInnen vor.

Auch nach der Demonstration hielten die Protestaktionen an. Umstritten waren jedoch die Proteste gegen eine Senatssitzung am Nachmittag, bei der es um die Streichung von geisteswissenschaftlichen Studiengängen an der Stuttgarter Uni ging. Geplant war, die Sitzung zumindest nicht vor einem Abstimmungsergebnis, das evtl. gegen die Streichung hätte ausfallen können, zu stören. Stattdessen wurde davon ausgegangen, das Ergebnis der Sitzung im Nachhinein in jedem Fall für weitere Protestaktionen nutzen zu können. Wohl in Unkenntnis dieser Planungen, aber sicher auch um die vielfach zu harmlose Protestkultur der Stuttgarter StudentInnen zu überwinden, wurde die Sitzung dennoch von mehreren AktivistInnen, darunter insbesondere Schülerinnen und Schüler „gestürmt“. Zwar kann bei der vermeintlichen „Stürmung“ nicht ernsthaft von Gewalt gesprochen werden – tatsächlich wurde die Sitzung noch nicht einmal groß beeinträchtigt – sie wurde aber als Vorwand zum Abbruch des Treffens genutzt und dies medienträchtig skandalisiert. Der AK Bildung der Stuttgarter Uni sah sich sogar genötigt umgehend eine Distanzierung zu veröffentlichen, die – kaum weniger „undemokratisch“ als die entgegen Absprachen vollzogene „Stürmung“ – gleich mit „Studierende der Universität Stuttgart“ unterzeichnet wurde.
Es bleibt zu hoffen und darauf hinzuwirken, dass die sicher zu diesem Zeitpunkt unangebrachte Aktion, die vor allem zu Streitereien und Problemen innerhalb der Bewegung geführt hat, konstruktiv diskutiert wird. Statt Distanzierungen und Vorwürfe gegen die übermotivierten AktivistInnen zu formulieren, ist eher nach Kommunikations- und Vermittlungsproblemen zu suchen und muss versucht werden diese zu lösen. Auch die in der Regel viel zu defensiven und immer auf Kompromisse ausgelegten Aktionsformen müssen hinterfragt werden. Eine opportunistische Praxis ist schließlich in der Regel das Vorspiel zu vereinzeltem, oftmals dann nicht vermitteltem und situationsbedingt taktisch unklugem Aktionismus. Die Diskussionen dazu werden auf den nächsten Treffen im Rahmen der Bildungsproteste fortgesetzt.

Auch nach der Demo am Mittwoch halten die Proteste an: neben verschiedenen Aktionen in der Stadt und einem Camp auf dem Unigelände, gibt es noch ein Straßenfest und Veranstaltungen im Rahmen der alternativen Vorlesungswoche. Die Proteste sollen aber natürlich auch nach der aktuellen Bildungsstreik-Woche weitergehen – eine Beteiligung an den verschiedenen Treffen und Bündnissen ist also nach wie vor angesagt!

Bilder gibt es hier:
http://revolutionaereaktionstuttgart.fasthoster.de/200906_bildungsstreik...



Mehr Bilder aus Stuttgart gibt es hier:
http://www.trueten.de/gallery2/v/PolitikundGesellschaft/Jugend/Bildungsstreik17062009/


Linksradikaler Aufruf zu den Protesten:
http://revolutionaereaktionstuttgart.fasthoster.de/200906_bildungsstreik.htm


Programm der alternativen Vorlesungswoche:
http://www.faveve.uni-stuttgart.de/ak-bildung/material/avv_12062009.pdf


Weitere Berichte und News vom AK Bildung Stuttgart:
http://www.faveve.uni-stuttgart.de/ak-bildung///wp/

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Wir alle begrüßen diesen Bericht. Insbesondere die Stellungnahme zur Stürmung der Senatssitzung hat uns wieder zur Vernunft gebracht und wir werden zukünftig etwas sachlicher an die Sache herangehen -  keine Panikstimmung, konstruktive Herangehensweise, solidarischer Umgang innerhalb der Bewegung auch bei Fehlern einzelner Punks etc.

 

Das Studium der Schriften Lenins werden wir vertiefen, dort ist u.a. zu lesen, dass Fehler menschlich und unvermeidbar sind, es also vor allem darauf ankommt die Folgen zu beheben und daraus zu lernen (dies haben wir zu wenig berücksichtigt).

 

Etwas vorschnell hat ein Teil von uns (alle Studierenden aus Stuttgart) eine Presseerklärung herausgebracht, diese wird hiermit zurückgenommen, kann aber hier nochmals eingesehen werden:

http://www.faveve.uni-stuttgart.de/ak-bildung///wp/wp-content/uploads/20...

 

 

gezeichnet

Alle Studentinnen und Studenten an den Universitäten in Stuttgart und dem Rest der Welt