Debatte um Streubesitz-Verkauf

Entlang der Freiligrathstraße sollen weitere Reihenhäuser verkauft werden
Erstveröffentlicht: 
29.08.2011

Die Freiburger Stadtbau will sechs leer stehende Reihenhäuser in Haslach verkaufen — im Gemeinderat regt sich Widerstand
Von unserer Redakteurin Simone Lutz
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau will ihren Streubesitz verkaufen. Einen entsprechenden Beschluss fasste jüngst der Aufsichtsrat der Stadtbau, im September soll die Stadt Freiburg als Gesellschafterin dem zustimmen. Sechs freie Reihenhäuser in der Freiligrathstraße in Haslach würden dann gleich verkauft, 83 weitere könnten folgen. Dagegen regt sich Widerstand.

Seit dem Bürgerentscheid 2006, der den Verkauf von städtischen und Stadtbau-Immobilien auf drei Jahre verbat, sind solche Verkäufe ein Politikum. So auch jetsozt: Besser als die sanierungsbedürftigen Häuschen der Stadtbau zu verkaufen sei es, ein subventioniertes Sanierungsprogramm für die kleinen Reihenhäuser und die sanierten Hochhäuser aufzulegen, meinen die Unabhängigen Listen im Gemeinderat. Deren Stadträte Irene Vogel und Hendrijk Guzzoni fordern eine "Abkehr von dieser unsozialen Politik" . Die Stadtbau entfernt sich ihrer Meinung nach von ihrem sozialen Auftrag, Menschen mit geringem Einkommen mit Wohnungen zu versorgen.

Die grün-schwarze Mehrheit im Aufsichtsrat des Unternehmens sieht das anders. Sie beschloss, die sechs Reihenhäuser in der Freiligrathstraße zum Gutachterwert zu veräußern. 83 weitere Reihenhäuser in der Freiligrathstraße, dem Rankackerweg, der Staudingerstraße (alle in Haslach), der Hansjakobstraße in Waldsee und Am Hägle in Mooswald sollen, wenn sie frei werden, ebenfalls verkauft werden — vorzugsweise an die dort wohnenden Mieter. "Im Moment bieten wir Reihenhäuser an, die leer sind. Die, die belegt sind, können die jetzigen Mieter kaufen, wenn sie das wollen — wenn nicht, bleiben sie dort Mieter" , sagt Ralf Klausmann, Geschäftsführer der Stadtbau.

Im Durchschnitt kostet so ein sanierungsbedürftiges Reihenhaus 120 000 Euro. Würde die Stadtbau alle verkaufen können, würde sie mit den insgesamt 89 Häusern 10,6 Millionen Euro erlösen — Geld, das sie in die Sanierung anderer Wohnungen stecken will. Die Häuser selbst instand zu setzen und weiterhin zu günstigen Mieten anzubieten, schließt Klausmann aus: "Die Sanierung ist eindeutig zu teuer." Er versichert: "Es wird kein Streubesitz verkauft, wenn dort die Mieter bleiben wollen."


Sorge um die Sozialstruktur -in der Gartenstadt


Bereits im November 2009 wurden 20 unvermietete Einfamilienhäuser in Haslach und Waldsee an Familien mit niedrigem Einkommen verkauft. Dafür legte die Stadtbau ein "Reihenhausprogramm im Altbestand" auf. Im Mai dieses Jahres beschloss der Gemeinderat, die Stadt dürfe ihren Streubesitz — also vereinzelt stehende Immobilien — abstoßen, um den Erlös in energetische Sanierungen zu investieren.

Die 20 Stadträte von SPD, Unabhängigen Listen, Grüner Alternative Freiburg und FDP, die dagegen votierten, taten dies aus grundsätzlichen Überlegungen: Sie wollen günstigen Wohnraum im Besitz von Stadt oder Stadtbau in jedem Fall erhalten. Sie befürchten, dass sich solche Verkäufe nachteilig auf die Sozialstruktur in bestimmten Gebieten wie der Gartenstadt auswirken: Mittelfristig würden Geringverdiener verdrängt und nur Besserverdiener könnten sich die guten Wohnlagen sichern. Ein Prozess, der unter dem Stichwort "Gentrifizierung" in vielen größeren Städten mit knappem Wohnungsangebot zu beobachten ist. In diesem Zusammenhang sorgt auch der für Herbst geplante Abriss von 95 Wohnungen der Stadtbau in der Sebastian-Bach-Straße in Herdern für anhaltenden Ärger: An deren Stelle sollen 14 Eigentums- und 27 Mietwohnungen entstehen — in der begehrten Wohnlage zu teureren Preisen als bislang.