Muss der Verfassungsschutz im Land reformiert werden?

Ba-Wü-Innenminister Reinhold Gall (SPD)
Erstveröffentlicht: 
15.06.2014

Für die Grün-Rot ist das eines der noch offenen Streitthemen. Während der Innenminister keinen Reformbedarf mehr sieht, pochen die Grünen zumindest auf eine Aufgabenkritik.

 

Die mögliche Reform des Verfassungsschutzes bleibt ein Zankapfel zwischen den Grünen und Innenminister Reinhold Gall (SPD). Der Ressortchef sagte der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart, das Amt sei seiner Meinung nach bereits gut organisiert. "Daher muss unser Verfassungsschutz nicht auf den Kopf gestellt werden, wie es offensichtlich in anderen Ländern der Fall ist."

Dagegen betonte Grünen-Innenexperte Uli Sckerl: "Eine Strukturreform des Landesamtes für Verfassungsschutz sehen wir als eine wichtige Aufgabe der Koalition in dieser Wahlperiode an." Es müsse geprüft werden, ob der Verfassungsschutz die richtigen Schwerpunkte setze.

Die NSU-Morde haben die Debatte ausgelöst


Auslöser der seit Monaten schwelenden Debatte sind die NSU-Morde. Die Morde der Rechtsterroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) waren auch den Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg nicht aufgefallen. "Neonazi-Terroristen hatten jahrelang vermehrte persönliche Kontakte zum Südwesten, ohne dass die Sicherheitsbehörden das bemerkt hatten", erinnerte Sckerl. Struktur und Ausrichtung des Landesamtes müssten intensiver betrachtet werden.

Der NSU soll von 2000 bis 2007 zehn Menschen getötet haben - Kleinunternehmer mit ausländischen Wurzeln und die Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn. Die Terroristen hielten sich mehrfach im Südwesten auf.

Gall verwies darauf, dass Baden-Württemberg bereits die Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag umgesetzt habe. Dazu gehöre etwa eine bessere Zusammenarbeit des Amtes mit der Polizei. "Und wir haben relativ zügig durch interne Umschichtungen den Bereich Rechtsextremismus besser ausgestattet." Die Prüfung einer Arbeitsgruppe seines Hauses habe auch ergeben, dass eine Eingliederung des Amtes in das Innenministerium keinen Sinn mache. "Es ergäben sich keine Synergien." Der Innenminister sieht auch keine großen Einsparpotenziale bei dem Geheimdienst, "jedenfalls nicht in der Größenordnung, die manche vermutet haben".

Gall betont: "Der Verfassungsschutz ist schlank aufgestellt"


Grünen-Fraktionschefin Edith Sitzmann hatte hingegen im vergangenen Sommer erklärt, aus ihrer Sicht seien bei dem Amt 30 bis 50 Prozent Stelleneinsparungen drin. Das Landesamt hat rund 340 Mitarbeiter. Gall betonte hingegen: "Der Verfassungsschutz ist schlank aufgestellt, was das Personal und die Mittelausstattung anbelangt."
Sckerl erklärte, es komme nicht nur auf die Stellenzahl an, sondern auf die Ausrichtung des Amtes.

"Man darf sich auch fragen, ob politische Aufklärung und die Auswertung öffentlicher Zeitungsberichte Kernaufgabe des Verfassungsschutzes ist." Die parteiübergreifend anerkannte Landeszentrale für politische Bildung könne das besser.

Die mögliche Reform wird auch Thema der Enquete-Kommission des Landtags sein, die bald ihre Arbeit aufnehmen soll, um Schlussfolgerungen aus den NSU-Morden für Baden-Württemberg zu ziehen. Einig sind sich Grüne und SPD darin, dass die parlamentarische Kontrolle des Verfassungsschutzes besser werden soll. Bislang sind der Innenausschuss und der Ständige Ausschuss des Landesparlamentes dafür zuständig. Künftig soll es ein eigenes parlamentarisches Kontrollgremium für den Verfassungsschutz geben.