Rassistische Gewalt in Sachsen - Soviele Angriffe auf Asylbewerber wie noch nie

Erstveröffentlicht: 
02.11.2015

Es war ein Wochenende der rassistischen Gewalt in Sachsen. Es gab ungewöhnlich viele Angriffe auf Flüchtlinge und Ausschreitungen gegen Unterkünfte. In Freital explodierte eine Sprengladung vor dem Fenster eines Asylbewerbers, in Dresden und Pirna wurden Ausländer verprügelt, mögliche Unterkünfte brannten und in Meerane kam es zu fremdenfeindlichen Krawallen. Bei den Angriffen wurden fünf Flüchtlinge und zwei Polizisten verletzt. Drei Randalierer kamen in Gewahrsam.

 

In Sachsen ist es am Wochenende erneut zu rassistischen Ausschreitungen und Angriffe auf Flüchtlinge gekommen. In Meerane im Landkreis Zwickau gab es am Sonntagabend nach der Ankunft eines Flüchtlingszuges fremdenfeindliche Krawalle. Nach Polizeiangaben versuchten etwa 80 Demonstranten, den Weitertransport der auf Busse verteilten knapp 700 Flüchtlinge zu blockieren. Als Polizisten die Blockade auflösen wollten, seien sie angegriffen und mit Böllern beworfen worden. Zwei Beamte wurden den Angaben zufolge verletzt, drei Randalierer vorübergehend in Gewahrsam genommen.

 

Vor einer Woche war es bereits in Freiberg bei der Ankunft eines Flüchtlingszuges zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Andreas Kunze-Gubsch sagte, die Polizei stelle sich aufgrund der Erfahrungen inzwischen auch personell auf solche Proteste ein. Die Gewalt vom Sonntagabend zeige, dass "über die Verbreitung von Facebook, Twitter & Co. die Information, dass dort ein Zug in Meerane ankommt, sofort dafür sorgt, dass viele Hunderte von Gegendemonstranten vor Ort sind."

 

Ermittlungen nach Anschlägen bisher ohne Ergebnis


Nach einem Sprengstoffanschlag auf eine von Flüchtlingen bewohnte Wohnung in Freital gibt es noch keine Spur auf die Täter. Dort war in der Nacht zum Sonntag in Freital ein Syrer leicht verletzt worden. Nach Angaben des für extremistische Straftaten zuständigen Operativen Abwehrzentrums ( OAZ ) blieb ein Zeugenaufruf bisher ohne Reaktion.

 

Auch bei einem Brandanschlag auf eine als mögliche Flüchtlingsunterkunft gehandelte Wohncontainer-Anlage in Dippoldiswalde liefen die Ermittlungen, sagte eine OAZ-Sprecherin. Ob es sich auch im Falle eines leerstehenden Hotels in Dresden-Cossebaude um Brandstiftung handelte, sei noch nicht geklärt. Das Haus war ebenfalls als mögliche Unterkunft für Asylbewerber im Gespräch und auch dort war in der Nacht zum Samstag Feuer ausgebrochen. Brandexperten hätten beide Objekte am Montag untersucht, hieß es. Das Ergebnis liege noch nicht vor.

 

In Pirna wurden bereits am Freitagabend ein 21 Jahre alter Marokkaner und ein 25 Jahre alter Libyer von etwa 25 teils vermummten Angreifern umstellt und bedrängt, wie die Polizei am Montag mitteilte. Als die beiden in einen Hauseingang flohen, wurden sie von der Gruppe verfolgt und geschlagen und getreten. Ebenfalls am Freitagabend wurde in Dresden in einer Straßenbahn ein 26 Jahre alter Syrer beschimpft und geschlagen. In Dresden-Gorbitz wurde am Samstagabend ein 20 Jahre alter Eritreer von drei bis vier Männern verprügelt. Alle Opfer mussten aufgrund ihrer Verletzungen ärztlich behandelt werden. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Körperverletzung und in Pirna auch wegen Landfriedensbruchs.