Le: Verdrängung und Solidarität mit dem Schokoladen

Freiraum2008

 Auch in Leipzig ist das Thema “Gentrifizierung“ angekommen. Insbesondere in den Innenstadt nahen Viertel und in Teilen des Leipziger Westens und auch im Süden lassen sich verstärkt besser Verdienende nieder, Mieten steigen und der Platz für ärmere Menschen und alternative, selbstorganisierte Projekte wird enger oder verschwinden ganz und gar. Seit kurzem werden in der Windmühlenstraße und in der Kantstraße die Konsequenzen der Privatisierung von kommunalen Wohnungen sichtbar. Nun folgen erste Proteste. Auch wird sich mit bedrohten Projekten wie dem "Schokoladen" solidarisiert.

Entwicklung in Leipzig

Der Wohnblock, in der Windmühlenstraße, in dem sich auch Kleingewerbe und Gastronomie niedergelassen hat, wurde zum 1. April 2011 an einen privaten Investor verkauft. Dieser will den Komplex sanieren, Mietsteigerungen werden die unweigerliche Folge sein. In dem von BewohnerInnen selbst gestalteten Innenhof soll zudem ein Discounter errichtet werden. Der Protest von BewohnerInnen und UnterstützerInnen traf bei Stadt und Investor auf taube Ohren, besonders widerspenstigen Gewerbetreibenden wurde sogar gekündigt. Ähnliches spielt es sich in der Kantstraße in der Südvorstadt ab. Dort wurden zwei Doppelhauswohnblöcke von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft LWB an eine privatwirtschaftliche Immobilienfirma verkauft, die bereits jetzt versucht BewohnerInnen mit fragwürdigen Entmietungspraktiken los zu werden. Hintergrund dafür ist vermutlich die Absicherung eines baldigen reibungslosen Starts von Sanierungsmaßnahmen. Zum Jahresende 2011 wurde im Leipziger Osten ein weiterer Vorfall bekannt. Hier scheint eine renommierte Immobilienfirma die MieterInnen eines ihrer Häuser durch die gezielte Einmietung von gewaltbereiten Neonazis loszuwerden. Durch Öffentlichmachung und Protest wurde mittlerweile der Auszug der Nazis, die den Hausfrieden durch gezielte Zerstörungen von Hausinventar, Einschüchterungs- und Bedrohungsaktionen störten, erwirkt. Schleichend hält also in Leipzig der Prozess der Gentrifizierung als Aufwertung von Stadtvierteln verkoppelt mit der Verdrängung ökonomisch schlechter gestellter Menschen, aber auch von selbstorganisierten, nicht-kommerziellen Projekten und dissidenten Lebensweisen Einzug.

Die Debatte wird verstetigt

Seit geraumer Zeit wird in Leipzig über "Gentrifizierung" diskutiert. In den letzten Wochen kam es zu zwei sehr gut besuchten Veranstaltungen zu dem Thema. Die 1. Fand im Conne Island mit Andrej Holm und Romy Zischner (Referentin, Uni Leipzig, Institut für Geografie/Wirtschaftsgeografie) unter dem Titel "Disneyland des Unperfekten" statt. Teile des Aussagen von Andrej Holm können auf seinem Blog nachgelesen werden. Die 2. fand gestern im UT Connewitz unter dem Titel "STADT(TEIL)ENTWICKLUNG IM LEIPZIGER SÜDEN. STADT FÜR ALLE – ABER WIE?"statt, hier waren auf dem Podium vertreten: Prof. Dieter Rink (Umweltforschungszentrum Leipzig, stellvertretender Leiter des Departments Stadt- & Umweltsoziologie), Katharina Weise (Rosa Luxemburg Stiftung, Herausgeberin der Reihe „Chrashkurs Kommune“),Karsten Gerkens, Amtsleiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, VertreterIn Alternative, Wohngenossenschaft Connewitz, VertreterIn IG Kantstraße.

In beiden Veranstaltung wurde deutlich, dass es zwar unterschiedliche Betrachtungen zu der Entwicklung in Leipzig gibt, aber keine/r die Aufwertung und der damit einhergehende Verdrängung, besonders von ärmeren Menschen, in einigen Teilen der Stadt leugnen kann. Leipzig hat die höchsten Mieten in Sachsen vorzuweisen und das als "Armutshauptstadt Deutschlands"(Liz Artikeldazu). Deutlich wurde auch, besonders gestern, dass einem nichts Geschenkt wird und die Menschen sich organisieren müssen, wenn sie weiter in ihren Häusern oder Vierteln leben möchten. Dabei ist es egal ob sie sich gegen VermieterInnen oder gegen die ignorante Stadtverwaltung durchsetzen wollen.

Solidarität mit alternativen Projekten wie dem Schokoladen in Berlin

In Leipzig gab es in den vergangenen Jahren öfter Solidaritätsaktionen für Projekte, die räumungsbedroht waren oder geräumt wurden. Wie zum Beispiel das besetzte Haus in Erfurt, die Rigaer 94, die Liebig 14, das KUKUTZA und kürzlich (30.01) wegen dem Angriff auf die Rigaer 94. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es bei der kommenden Demo am Dienstag den 21.2. auch darum geht, sich mit dem "Schokoladen" in Berlin zu solidarisieren, auf die anstehende Räumung aufmerksam zu machen und Leute nach Berlin zu mobilisieren. Der Aufruf zur Demo findet sich hier. Starten wird sie um 19.30Uhr in der Herderstraße in Connewitz.